Diese Woche stellen wir Ihnen Übungen aus dem Buch „Act creative - Effektive Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion“ vor.

Sie brauchen eine zündende Idee für Ihre nächste Stunde? Wir haben diese Woche einige Beispiele für Sie.

Bild Therapietool 4

 

Übung 4

CLAP-THEATER

Worum geht es?

Das Clap-Theater ist ein Stegreifspiel, bei dem jeweils zwei TeilnehmerInnen eine kurze Szene spielen, bis eine/r der beiden von jemandem der ZuschauerInnen per Handschlag (»Clap«) abgelöst wird, womit eine neue Szene beginnt. Das Spiel lebt von der Spontaneität der AkteurInnen, die sich rasch auf neue Rollen und neue Szenen einstellen müssen. So gelangen auch bisher unbewusste Themen leicht an die Oberfläche.

 

Für wen?

                        Gruppen, Teams

                        Aus- und Weiterbildungsgruppen, Selbsterfahrungsgruppen, Therapiegruppen

                        Gruppen-/Teamcoaching, -workshop

                        Training

Wozu?

                        Spontaneität testen und fördern

                        Spiellust entwickeln

                        Verschiedene Rollen ausprobieren

                        Empathiefähigkeit fördern

                        Unbewussten Themen Raum geben

Wie lange?

40 Minuten

 

Was ist genau zu tun?

Vorbereitung:

Der Gruppenraum wird in je einen Bereich für die Bühne und für die ZuschauerInnen geteilt. Die Leitung erklärt Ablauf und Regeln des Clap-Theaters. Zwei TeilnehmerInnen werden für die erste Szene ausgewählt, indem sie sich selbst melden oder per Wahl oder Los bestimmt werden. Der Schauplatz der ersten Szene kann vereinbart werden oder sich auch erst im Stegreif auf der Bühne her­auskristallisieren.

Durchführung:

Die beiden DarstellerInnen auf der Bühne beginnen aus dem Stegreif eine Szene zu spielen. Wer zuerst agiert, gibt die eigene sowie ein Stück weit auch die Rolle des oder der anderen vor (»Na, gnädige Frau, was suchen Sie denn hier an diesem düsteren Platz?«). Die Ablöse erfolgt spontan, indem ein/e ZuschauerIn eine Person auf der Bühne per Handschlag (»Clap«) ablöst und entweder mitspielt oder eine neue Szene beginnt. Wer schon auf der Bühne stand, muss sich schnell auf die veränderte Szene einstellen und entweder eine neue, passende Rolle kreieren oder eine angebotene ausfüllen. Der oder die abgeklatschte SpielerIn wird wieder ZuschauerIn. Es wird immer weiter abgewechselt, bis die Leitung das Spiel beendet.

Nachbereitung:

Reflexion der unterschiedlichen Rollengestaltungen (inkl. der Rolle als ZuschauerInnen).

Varianten

Die Gruppe kann sich vor Spielbeginn auf ein Überthema einigen, zum Beispiel Gespräche in einer Bar oder Treffen zwischen Männern und Frauen. Alle nachfol­genden Szenen sollen dann einen Bezug zu diesem Thema haben.

Die Ablöse kann auch umgekehrt vereinbart werden, nämlich dass ein/e DarstellerIn von der Bühne abgeht und per Clap einen oder eine ZuschauerIn als nächste/n SpielerIn auf die Bühne schickt (empfiehlt sich nur für geübtere SpielerInnen).

Wie sage ich es?

»Überlegen Sie beide auf der Bühne bitte kurz, welche Rollen Sie in der folgen­den → Szene übernehmen möchten. Wenn ich jetzt gleich in die Hände klatsche, beginnen Sie einfach zu spielen. Achten Sie darauf, was Ihr Gegenüber sagt oder macht, um sich auch darauf einstellen zu können. Sie müssen natürlich nicht sich selbst spielen oder wie gewohnt agieren, sondern können alles Mögliche auspro­bieren, gerne auch das genaue Gegenteil vom Üblichen. Wenn jemand von den ZuschauerInnen auf die Bühne kommt und Sie mit Handschlag ablöst, verlassen Sie bitte die Bühne. Eine neue Szene beginnt. Wer von den ZuschauerInnen gerne in das Spiel einsteigen möchte, kann jederzeit jene/n SpielerIn ablösen, der oder die bereits länger auf der Bühne steht. Das gesamte Spiel endet dann, wenn ich wieder in die Hände klatsche.«

Was kommt dabei heraus?

Formal: »Wie ging es Ihnen mit der Rollenübernahme? Wie mit der Stegreifsituation?«

Inhaltlich: »Welche Rolle haben Sie selbst gewählt, welche wurde Ihnen zuge­teilt? Wie kam es jeweils dazu? Wie haben Sie sich in den Spielszenen gefühlt? Haben Sie über sich oder andere etwas Neues erfahren?«

Gruppendynamisch: »Sind alle TeilnehmerInnen zum Spielen gekommen? Wel­che Gruppenthemen sind vorgekommen?«

Anschlussübung:

Gruppenspiele, deren Themen aus einer der Clap-Theater-Szenen entstanden sind

Rollenspiele, die von Clap-Theater-Szenen inspiriert wurden

 

Wann passt es?

Hier passt es:

In spielfreudigen Gruppen, die gerne spontan und kreativ agieren

 

Hier besser nicht:

In Gruppen mit vorwiegend sehr spielgehemmten Personen

 

Was wird benötigt?

Ausreichend Platz, um Bereiche für die → Spielbühne und den ZuschauerIn­nenraum schaffen zu können.

 

Wo kann ich nachlesen?

Bender, W. & Stadler, C. (2012): Psychodrama-Therapie. Grundlagen, Methodik und Anwendungsgebiete. Stuttgart: Schattauer, S. 53 f.

 

Wochenserie Teil 1: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Wochenserie Teil 2: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Wochenserie Teil 3: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Weitere Übungen finden Sie im Buch:

Act creative!