Diese Woche stellen wir Ihnen Übungen aus dem Buch „Act creative - Effektive Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion“ vor.

Sie brauchen eine zündende Idee für Ihre nächste Stunde? Wir haben diese Woche einige Beispiele für Sie.

Bild Therapietool 5

 

Übung 5

SICHERHEITSZONE

Worum geht es?

Stehen die Themen Sicherheit und persönliche Grenzen im Fokus der Aufmerk­samkeit, kommt dieses Tool zum Einsatz. Durch das Abstecken und Sichtbarmachen einer Sicherheitszone entstehen persönliche Schutzräume, die diagnos­tisch genutzt werden können, aber auch die Arbeit am Umgang mit eigenen Grenzen ermöglichen.

Für wen?

                        Einzelpersonen, Paare, Gruppen

                        Einzelcoaching, Therapiesitzung, Beratungsgespräch

                        Partnerübung in einer Gruppe, Paarberatung, Paartherapie

                        Aus- und Weiterbildungsgruppen, Selbsterfahrungsgruppen, Therapiegruppen

 

Wozu?

                        Zum diagnostischen Einsatz bei Schutz- und Sicherheitsbedarf

                        Zur Bearbeitung aller Themen, die den Umgang mit persönlichen Grenzen betreffen

                        Zur Verbesserung des Kommunizierens eigener Bedürfnisse

 

Wie lange?

50 Minuten

Was ist genau zu tun?

Vorbereitung:

Der oder die TeilnehmerIn wählt einen Platz im Raum für sich und markiert ihn mit einem Kissen (wahlweise: Stuhl). Material für die Durchführung (Stoffe, Seile, Tücher o. Ä.) wird bereitgestellt.

Durchführung:

Rund um das Kissen wird von den TeilnehmerInnen nun jener Raum markiert, der als persönliche Sicherheitszone zur Verfügung stehen soll. Es handelt sich dabei um jenen Raum, der nur für einen selbst zugänglich sein muss und den nötigen Abstand zu anderen Personen wahren kann. Die Grenzen dieser Sicher­heitszone werden mit dem vorbereiteten Material abgesteckt. Die Leitung ermuntert die TeilnehmerInnen, sich Zeit zu lassen und auszuprobieren, wie groß die Zone sein soll und wie die Grenzen beschaffen sein müssen, damit sich ein Sicherheitsgefühl einstellt.

Nachbereitung:

Im nachfolgenden Gespräch können verschiedene Schwerpunkte gesetzt wer­den: Diagnostisch wird die Lage des oder der TeilnehmerIn bezüglich ihres per­sönlichen Sicherheitsempfindens exploriert. Fragen zu vergangenen wie gegen­wärtigen Erfahrungen mit dem Wahren der eigenen Grenzen bilden dafür die Basis. Ebenso kann erfragt werden, in welchen Lebensbereichen Schutz beson­ders benötigt wird.

Anhand konkreter Beispiele kann der Frage nachgegangen werden, wie der oder die TeilnehmerIn ihre Grenzen verteidigt und welche Veränderungen im eigenen Verhalten er oder sie ausprobieren könnte (z. B. im Konflikt mit dem Ehepartner).

Manchmal erfordern gerade bestimmte Themen in einer Beratungs- oder Therapiesituation besonderen Schutz, auch dafür kann das Einrichten der Sicher­heitszone hilfreich sein.

Wie sage ich es?

»Nehmen Sie bitte ein Kissen, das Ihren Platz auf dem Boden markieren wird. Zusätzlich haben wir hier verschiedene Schnüre und Stoffe, die Sie verwenden kön nen. Ich möchte Sie bitten, mit diesem Material eine Sicherheitszone rund um Ihren Platz herum abzustecken. Diese Zone steht nur Ihnen ganz allein zur Verfügung, sie hält andere Personen so weit auf Abstand, wie Sie das möchten. Sie können dafür so viel Material verwenden und über so viel Platz verfügen, wie Sie brauchen. Überlegen Sie dabei bitte, wie viel Raum Sie benötigen, um sich wirk­lich ausreichend geschützt zu fühlen.«

»Sie haben nun Ihre ganz persönliche Sicherheitszone aufgebaut, nehmen Sie jetzt bitte auf Ihrem Kissen Platz. Ich bleibe hier außerhalb stehen und möchte Sie gerne befragen: Wie fühlen Sie sich innerhalb Ihrer Sicherheitszone? Stimmt der Abstand zur Außenbegrenzung? Ist die Grenze ausreichend markiert und stark genug?«

»Wie kann man mit Ihnen hier in Kontakt kommen? Dürfen die Grenzen berührt werden? Gibt es jemanden, der oder die in die Sicherheitszone eintreten darf, bzw. gibt es Voraussetzungen, unter denen das für jemanden möglich ist? Sind die Grenzen in manchen Situationen auch durchlässig oder flexibel?«

 

Was kommt dabei heraus?

Formal: »Wie ist es Ihnen mit dem Abstecken der Sicherheitszone ergangen – war es einfach, haben Sie verschiedene Varianten ausprobiert?«

Inhaltlich: »Wie sicher fühlen Sie sich innerhalb Ihrer Zone? Wie kann hier der Kontakt mit Ihnen stattfinden?«

Gruppendynamisch: »Welches Bild ergeben alle Sicherheitszonen zusammen? Gab es Konflikte rund um die Platzverteilung?«

 

Wann passt es?

Hier passt es:

Wenn besonderer Schutz bei der Erarbeitung eines Themas erforderlich ist

Wenn der Umgang mit eigenen Grenzen gestärkt werden soll

 

Hier besser nicht:

Wenn akute Irritationen keine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre ermöglichen

Was wird benötigt?

Kissen, verschiedene Schnüre, Seile, Tücher, Klebeband o. Ä.; ausreichend Platz für die Sicherheitszonen und um dazwischen durchgehen zu können

 

 

Wochenserie Teil 1: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Wochenserie Teil 2: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Wochenserie Teil 3: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

Wochenserie Teil 4: Kreative Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Superversion

 

Weitere Übungen finden Sie im Buch:

Act creative!