Die Fehltage der DAK-Versicherten wegen psychischer Erkrankungen haben 2014 einen neuen Rekord erreicht: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Fehltage wegen einer psychischen Krankheit etwa verdreifacht. Dabei sind Depressionen und Anpassungsstörungen die häufigsten Ursachen von Arbeitsunfähigkeitstage.

„Immer mehr Menschen werden wegen psychischer Leiden krankgeschrieben. Noch nie haben Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen so viele Fehltage verursacht wie im vergangenen Jahr. Die hohe Zahl der Ausfalltage ist wohl auch Resultat einer präziseren und ehrlicheren Diagnostik: Während früher eher die körperlichen Manifestationen psychischer Probleme wie beispielsweise Rückenschmerzen oder Magenprobleme diagnostiziert wurden, gehen Ärzte und Patienten heute viel offener mit der eigentlichen Ursache um. Trotz allem alarmiert uns die enorme Steigerungsrate. Sie manifestiert sich in einem Versorgungsproblem: Betroffene warten zum Teil extrem lange auf Unterstützung.

Landen sie in einer Therapie, ist diese dann mitunter nicht zielgerichtet – oft fehlt im komplexen System der Angebote die Orientierung“, erläutert Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit.

 

Mit dem Alter steigt die Anzahl der Fehltage

Je älter die Berufstätigen, desto höher die Zahl der Fehltage mit Seelenleiden: Auf 100 über 60-jährige weibliche DAK-Versicherte entfielen 2014 435 Ausfalltage, bei den Männern waren es 293 Tage. Die jüngste Gruppe, die 15- bis 19-Jährigen, hatten 115 Tage (Frauen) beziehungsweise 57 Tage (Männer). Im Mittelfeld, bei den 35- bis 39-Jährigen, betrug die Anzahl der Ausfalltage bei den Frauen 296, bei den Männern 160.

 

Depression - Spitzenreiter der Erkrankungen

Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, immer müde – das sind häufige Symptome von Depressionen. Auffällig ist der hohe Anteil von Depressionen an den Ausfalltagen. 47 Prozent der Psycho-Fehltage wurden 2014 mit dieser Diagnose begründet – somit rangieren Depressionen mit großem Abstand auf Platz eins der häufigsten Seelenleiden. Dahinter folgen Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, andere neurotische Störungen und andere Angststörungen.

 

Große Belastung und lange Fehlzeiten: Angststörungen

Angst ist eine überlebenswichtige Reaktion des Menschen: Kleine Kindernfangen an zu weinen, wenn sie Mama oder Papa im Supermarkt aus den Augen verlieren. Jungen Leuten klopft das Herz beim ersten Vorstellungsgespräch.

Und Autofahrer bekommen bei einem Beinahe-Unfall einen Adrenalinstoß. Der Körper reagiert auf eine bedrohliche, ungewisse oder unkontrollierbare Situation. Er steigert Herzschlag und Blutdruck, spannt die Muskeln an, weitet die Bronchien und schüttet zusätzliche Energien in Form von Blutzucker aus – alles, um im Zweifelsfall weglaufen oder kämpfen zu können. Ein biologischer Mechanismus, der unseren Vorfahren

in freier Wildbahn das Leben sicherte. Bei Patienten, die unter einer Angststörung leiden, ist dieser natürliche Mechanismus aus den Fugen geraten. Die Angst entwickelt eine Eigendynamik und plagt sie auch in ganz normalen Alltagssituationen. Den Betroffenen klopft das Herz bis zum Hals, sie fangen heftig an zu schwitzen. Oft folgen Schwindel- und Ohnmachtsgefühle. Die Angst überfällt sie ungewöhnlich stark und hält oft auch nach der auslösenden Situation noch an. Die Attacken treten immer häufiger auf und sind nicht mehr zu kontrollieren. Wenn Ängste über das normale Maß hinausgehen, unangemessen stark auftreten, häufig vorkommen und lange andauern, werden sie irgendwann zur Krankheit.

Die Betroffenen entwickeln Angst vor der Angst und beginnen, angstauslösende Situationen zu vermeiden.

Den ganzen Psychoreport der DAK können Sie hier abrufen.