Nur wer gut gelaunt in den Tag startet, kann einen erfolgreichen Tag haben? Dass das ein Trugschluss ist, wollen mehrere Autoren der Fachzeitschrift Personality and Individual Differences in einer kürzlich veröffentlichten Forschungsarbeit zeigen.

Die Psychologen konnten nachweisen, dass eine schlechte Stimmungslage die Exekutivfunktionen des Gehirns bei vielen Menschen sogar steigert. Die Aufmerksamkeit konnte im Test bei schlechter Laune besser gebündelt und Aufgaben schneller priorisiert werden.

Doch nicht bei allen Menschen kann dieser Effekt beobachtet werden. Denn nur solche, die eine hohe emotionale Reaktivität (zum Beispiel schnelle Entflammbarkeit von Gefühlen oder lang anhaltende emotionale Reaktionen) besitzen, sind in der Lage ihre geistigen Fähigkeiten zur kognitiven Kontrolle, die sogenannten Exekutivfunktionen, abzurufen und gleichbleibend sicher das eigene Denken und Handeln zu steuern.

Hochreaktive Personen schnitten mit schlechter Laune besser bei Aufgaben zu Exekutivfunktionen ab, als mit guter Laune. Personen mit eher niedrigerer Reaktivität zeigten den gegenteiligen Effekt; bei schlechter Gemütslage erreichten sie auch schlechtere Exekutivfunktionen.

Die emotionale Reaktivität und Emotionsverarbeitung ist von Mensch zu Mensch schon von einem sehr frühen Alter an unterschiedlich. Diese individuellen Unterschiede haben Auswirkungen auf die psychische Gesundheit in der späteren Entwicklung, schreiben die Psychologen. Warum hochreaktive Menschen besser mit schlechter Laune umgehen können, ist noch nicht abschließend geklärt: Weitere Forschungsarbeiten seien zwar noch notwendig, um die Beziehung zu untersuchen, aber einige Studien deuten darauf hin, dass hochreaktive Menschen eher an das Erleben negativer Emotionen gewöhnt sind. Für sie ist eine schlechte Laune weniger störend und ablenkend als für Menschen mit geringerer emotionaler Reaktivität.

Quelle: Personality and Individual Differences, 2018; 128: 94