»Die Entscheidung für Psychologie kam aus dem Bauch heraus, war in keinster Weise durchdacht, aber fühlte sich vollkommen richtig an. Und ich habe sie bis heute nicht bereut.«

Fünf Fragen an Esther Bockwyt

1. Welche/r KollegIn hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Von einem ehemaligen oberärztlichen Vorgesetzten in einer psychiatrischen Klinik habe ich fachlich Einiges lernen können und meine Leidenschaft für die tiefenpsychologische Theorie wiederentdeckt.


2. An welche kuriose/lustige/ungewöhnliche Situationen im Berufsalltag denken Sie gerne zurück?

An eine Situation zum Schmunzeln, die ich gar nicht so untypisch für den Berufszweig Psychiatrie finde:

In meiner ersten Arbeitswoche in einer psychiatrischen Klinik kurz nach Abschluss meines Studiums erhielt ich eine Mail im klinikinternen System von einem mir bis dahin unbekannten ärztlichen Kollegen mit Betreff "Coole Kids tragen kein Pali-Tuch" und einer hierauf folgenden längeren wirklich ernst gemeinten schriftlichen Ausarbeitung zur politischen Lage in Israel und Gaza, die mich auf mein "Fehlverhalten" des Tragens eines Palästinensertuchs hinweisen sollte. Es war keine "böse" gemeinte, aber eine ganz spezielle "Begrüßung". Als ich mir nach dem Lesen - zunächst etwas überrumpelt und das Ganze als befremdlich empfindend - vergegenwärtige, an welchem Ort ich mich befinde, musste ich einfach nur laut lachen; ebenso andere Kollegen, denen ich davon erzählte und der Verfasser selber.......nach dem Motto: eben eine spezielle Begrüßung in der Psychiatrie. 


3. Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ich glaube es ist eher selten, als Kind bereits Psychologe werden zu wollen, es sei denn, die Eltern sind beruflich Psychologen ;-). Meinen Entschluss, Psychologie zu studieren, fasste ich im Jugendalter. Ich hatte zeitweise noch überlegt, Jura oder Journalismus zu studieren. Die Entscheidung für Psychologie kam aus dem Bauch heraus, war in keinster Weise durchdacht, aber fühlte sich vollkommen richtig an. Und ich habe sie bis heute nicht bereut.

 

4. Welches Fachbuch haben Sie zuletzt gelesen?

Ich bin lange Zeit gar nicht mehr dazu gekommen. Ich glaube es war zuletzt das Buch "Die narzisstische Gesellschaft" von Maaz. Falls das als Fachbuch "gilt".

 

5. Welches Buch sollte jede/r KollegIn mal gelesen haben?

Erich Fromm: "Haben oder Sein."

Fritz Riemann: "Grundformen der Angst."

Christel Hafke: "Macht, Ohnmacht und Machtmißbrauch in therapeutischen Beziehungen."

 

Über Esther Bockwyt

Esther Bockwyt

Esther Bockwyt ist Diplom-Psychologin und spezialisiert auf klinische Psychologie. Sie ist Beraterin für Diagnostik und Therapieplanung, hat in eigener Firma und Praxis mehrere tausend Berichte an den Gutachter erstellt und supervidiert. Sie arbeitet psychotherapeutisch mit verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologischen Therapieelementen auf der Basis einer „Rogers'schen“ Grundhaltung.

Im August 2016 erschien ihr neuestes Buch "Der verhaltenstherapeutische Bericht an den Gutachter" im Schattauer-Verlag.


 

Weitere Interviews aus der Reihe:

 

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