Ist ein Patient mutlos, kraftlos und ängstlich, dann lautet die Diagnose wahrscheinlich: Depressionen. Doch möglicherweise steckt hinter vielen angenommenen Depressionen eine Schilddrüsenunterfunktion, wie eine neue Metastudie aufzeigen konnte. Betroffene können nun gegebenenfalls mit neuen Therapiemöglichkeiten rechnen.

          

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Weltweit gibt es rund 322 Millionen Menschen, die von Depressionen betroffen sind, fand eine Studie der Weltgesundheitsorganisation vergangenen Jahres heraus. Damit seien Depressionen heute “weltweit die Hauptursache für Lebensbeeinträchtigungen,” sagte einer der Autoren der Studie, Dan Chisholm.

Nun ist es Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Bonn gelungen, eine Verbindung von Angsterkrankungen und Depressionen mit einer chronischen Schilddrüsenerkrankung (Autoimmunthyreoiditis) aufzuzeigen. Bei dieser Krankheit kommt es zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse. Die daraus resultierende Unterfunktion beeinflusst den Hormonhaushalt im Körper, wodurch auch auf den Stoffwechsel und die Psyche Einfluss genommen wird.

Krankheitsbilder schwer zu unterscheiden

Die Symptome bei den Betroffenen von Autoimmunthyreoiditis reichen von Unruhe- über Anspannungs- bis hin zu Erschöpfungszuständen. Diese psychischen Symptome werden oft fälschlich interpretiert, weil die daran erkrankten Menschen meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr sind und somit das psychische Ungleichgewicht schnell auf “Wechseljahrsbeschwerden” umgedeutet wird oder der Befund einer reinen Depression nahe liegt. Problematisch ist außerdem, dass Autoimmunthyreoiditis ansonsten komplett schmerzfrei verläuft, wodurch eine frühzeitige Diagnose ohnehin schwierig ist.

Obwohl Autoimmunthyreoiditis zwar bislang nicht heilbar ist, kann man die Schilddrüsenunterfunktion mit entsprechenden Hormonpräparaten ausgleichen, wodurch die einhergehenden Depressionen oder Angststörungen therapiert werden.