Fehler Nr. 4: Sie verlieren das eigene Wohlbefinden aus dem Blick

Fehler 4

Die Selbstbeobachtung gehört zu den ersten Beurteilungsinstrumenten, die Therapeuten verwenden, um ihren Klienten dabei zu helfen, die Ursachen, die Häufigkeit und die Art von Stress, unter dem sie leiden, zu ermitteln. Was gut für Klienten ist, ist auch gut für ihre Heiler. Natürlich klagen Klienten häufig, dass sie keine Zeit hätten, ihren Stress-Level zu messen – und auch überarbeitete Therapeuten greifen gern zu dieser Ausrede. Wenn man zu beschäftigt für eine Selbstbeobachtung ist, so ist das an sich schon ein klares Signal dafür, dass man wahrscheinlich seine Belastungsgrenze erreicht hat.

Self-Monitoring ist ein guter erster Schritt, aber noch genauere Informationen lassen sich bei engen Freunden, Verwandten oder Kollegen einholen. Therapeuten in einer Gruppenpraxis setzen sich häufig zusammen, um ihre Fälle zu besprechen, und das ist eine gute Gelegenheit, die Kollegen zu fragen, wie es ihnen in seelischer Hinsicht und kräftemäßig geht. Partner, Freunde und sogar Kinder kann man ebenfalls um ihr Feedback bitten, weil sie häufig die schärfsten Beobachter von Veränderungen in Stimmung und Energieleveln sind. Manchmal entspricht der Input, den sie bereitstellen, nicht genau dem, was man hören möchte – und oft wird er nicht mit therapeutenmäßiger Einfühlsamkeit vermittelt. Dennoch – wer uns am besten kennt, ist am besten in der Lage, uns bei der Aufdeckung von Problemen zu helfen, bevor sie eskalieren.

 

Den Fehler vermeiden

1. Nutzen Sie ein Selbsteinschätzungs-Instrument wie das Maslach Burnout Inventory (Maslach, 1981). Mit diesem Fragebogen werden drei Schlüsselkomponenten des Burnout-Syndroms erfasst: Emotionale Erschöpfung bezieht sich auf das Ausmaß, in dem Therapeuten nicht mehr in der Lage sind, etwas von sich selbst zu geben, weil sie emotional ausgelaugt sind. Die Unterskala Depersonalisation betrifft die Entwicklung negativer, zynischer Einstellungen und Gefühle gegenüber den Patienten und der klinischen Arbeit. Bei der Unterskala der persönlichen Leistung geht es schließlich um Gefühle von Kompetenz und Erfolg im Umgang mit Klienten.

2. Schließen Sie sich einer therapeutischen Selbst-Supervisionsgruppe an. Eine solche Gruppe können Sie innerhalb einer Gruppenpraxis gründen oder durch das Netzwerken mit Ihrem örtlichen Berufsverband (z. B. Psychologen, Paar- und Familientherapeuten, klinische Sozialarbeiter).

3. Achten Sie auf folgende Anzeichen oder Ursachen therapeutischer Überlastung:

a)  zu viel Kontakt mit demselben Kliententypus

b) erhöhte Reizbarkeit gegenüber Klienten

c)  weniger Interesse am Beruf, zum Beispiel am Lesen von Fachzeitschriften oder der Teilnahme an Konferenzen

d) die zunehmende Tendenz, Rückrufe bei Klienten oder die Fertigstellung von Berichten auf die lange Bank zu schieben

e) unmittelbar aufeinander folgende Termine ohne Pausen dazwischen.


Die Tipps stammen aus dem Buch "Was Therapeuten falsch machen"

Buchdeckel „978-3-608-94582-9

 

Teil 1

Teil 2

Teil 3