Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie, einer Schnittstellenwissenschaft zwischen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Das durch Wilhelm Wundt 1879 an der Leipziger Universität gegründete, weltweit erste Institut für Psychologie wurde bald zu einem Mekka wissenschaftlicher Enthusiasten, die den "Geist von Leipzig" in alle Welt trugen: Hier sollte das Seelische endlich messbar gemacht und seine körperlichen sowie kulturellen Grundlagen untersucht werden. Eine interaktive Ausstellung, die vom 14. September bis 16. Dezember in der Galerie im Neuen Augusteum gezeigt wird, beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Psychologie.

Thematisch passt sie zum 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der vom 18. bis 22. September 2016 an der Universität Leipzig stattfindet. Über 2.500 Wissenschaftler präsentieren und diskutieren auf dem Kongress aktuelle Forschung und fachpolitische Themen.

Besucher sind dazu eingeladen, sowohl die Anfänge der wissenschaftlichen Psychologie in Leipzig als auch ihre modernen Weiterentwicklungen kennenzulernen. Wie forscht die moderne, stark experimentell orientierte Psychologie und welche Antworten gibt sie? Historische Herangehensweisen und moderne Methoden werden gegenübergestellt und verglichen. Fünf Themenkomplexe stellen exemplarisch dar, welche Fragen Psychologen damals wie heute beschäftigen: Von grundlegenden Fragen wie der Funktionsweise des Gehirns, der Messung geistiger Vorgänge oder dem Einfluss von Gruppen und Kulturen reicht das aufgeworfene Spektrum bis zu angewandten Fragestellungen wie, "Was empfinden wir (weshalb) als schön?" oder "Was ist eigentlich normal?"

Im historischen Teil der Ausstellung lassen originale Exponate die Zeit der Institutsgründung wieder aufleben. Das Arbeitszimmer Wilhelm Wundts mit Schreibtisch, Arbeits- und Versuchsgeräten wird in der Ausstellung nachgebildet. Historische Fotografien, Illustrationen, Auszüge aus dem Briefwechsel und ein Tondokument zeichnen ein lebendiges Bild von dem berühmten Begründer der wissenschaftlichen Psychologie. Ein Globus zeigt die späteren Wirkungsstätten ausgewählter Schüler und wissenschaftlicher Gäste und somit den Einfluss der Leipziger Arbeitsgruppe Wilhelm Wundts auf Institutsgründungen weltweit.

Die Ausstellung ist interaktiv: Es können sowohl historische als auch aktuelle Untersuchungsmethoden ausprobiert werden. In Demonstrationsstudien erhalten Besucher einen unmittelbaren Einblick in die Forschung, indem sie selbst zur "Versuchsperson" werden. An Experimentierstationen mit Rechnerterminals können Test- und Reaktionszeitaufgaben bearbeitet werden, die Aufschluss über basale Prozesse des Denkens (zum Beispiel zum Sprachverstehen oder der geistigen Verarbeitung von Bildern) oder auch die eigene kognitive Belastbarkeit erlauben. Die Besucher können im Selbstexperiment auch erleben, wie ihre Einstellungen zur Geschlechterbeziehung zwischen Mann und Frau unmerklich durch ihre eigenen Gruppenzugehörigkeiten verzerrt werden. Ein Riesengehirnscan zeigt die strukturelle Anatomie des menschlichen Gehirns. Das 3D-Video "Fire & Wire" führt vor, wie das Gehirn funktioniert: als Netzwerk getrennter, aber strukturell eng verbundener Areale - ein komplexes Zusammenspiel neuronaler Aktivität (feuernde Neuronen). Über einen Eye-Tracker können die Besucher anhand von Gemälden nachvollziehen, in welcher Abfolge die Betrachtung eines Bildes verläuft.

Am 13. September wird die Ausstellung in der Galerie im Neuen Augusteum (Augustusplatz 10) um 18 Uhr eröffnet. Sie ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Studierende zahlen nichts.

Weitere Informationen:

Dr. Simone Tübbecke
Telefon: +49 341 97-30177
E-Mail: simone.tuebbecke@uni-leipzig.de